Das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten

Jetzt, wo die Bäume wieder grüne Blätter haben, fällt vielen Besuchern, die den Blick auf der großen Freifläche vor dem Reichstag kreisen lassen gar nicht auf, dass südlich der Scheidemannstraße die 6 m hohe Statue des Rotarmisten über den Gräbern von mehr als 2.000 gefallenen sowjetischen Soldaten wacht. Selbst von der Kuppel des Reichstagsgebäudes ist die Statue zwischen den Bäumen im Frühjahr und Sommer nur schwer zu erkennen.

Besser zu sehen ist das Sowjetische Ehrenmal von der Vorderseite, von der Straße des 17. Juni. Manche aufmerksame Besucher fragen sich, wie das sowjetische Denkmal in einen der ehemaligen Westsektoren (den britischen Sektor) der Stadt gelangte - schließlich stand die Berliner Mauer keine 500 Meter weiter östlich am Brandenburger Tor. Das Ehrenmal entstand unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkrieges an symbolischer Stelle: mitten auf der von Adolf Hitler und Albert Speer geplanten Nord-Süd-Achse. Vom Bahnhof Südkreuz über den Flughafen Tempelhof sollte eine Straße, flankiert von gigantischen Bauten direkt auf die Große Halle des Volkes führen. An der Straße des 17. Juni sollte die Nord-Süd die Ost-West-Achse kreuzen. Genau dort begannen die Sowjets nach der Einnahme Berlins mit dem Bau ihres Ehrenmals, mit Zustimmung der übrigen Alliierten. Die Rote Armee hatte Berlin 1945 als erste erreicht und in einem bis zum Schluss verlustreichen Häuserkampf die Stadt erobert.

Das Ehrenmal besteht aus Granitblöcken, Kalksteinplatten, Bronze und Marmor. Hartnäckig halten sich Gerüchte, der Marmor stamme aus der ehemaligen Reichskanzlei. Belegt ist das nicht und auch eher unwahrscheinlich, da u.a. die Reste der Reichskanzlei erst gesprengt wurden, nachdem das Ehrenmal im Tiergarten bereits fertig war.


Seht man direkt vor dem Ehrenmal, sieht man eine Kolonnade und in der Mitte die schon erwähnte Statue des Rotarmisten. Er nimmt Abschied von seinen gefallenen Kameraden. Der Krieg ist beendet, das Gewehr geschultert, kann er wieder nach Hause zurück kehren. Rechts und links der Kolonnade stehen zwei historische Panzer T 34. Die Gräber der gefallenen Soldaten befinden sich unter den Rasenflächen zwischen den Panzern und den Außengittern und im hinteren Bereich der Anlage.

Eingeweiht wurde das Ehrenmal im November 1945. Direkt am Ehrenmal sind Bilder aus der Zeit aufgehängt. Sie muten seltsam an, im Hintergrund der verwüstete Tiergarten mit verbrannten und abgeknickten Bäumen und davor ein scheinbar verschwenderisch glänzendes neues Denkmal.


Wer mehr über die Sowjetischen Ehrenmale in Berlin erfahren möchte, dem ist Helga Köpsteins Buch „Die sowjetischen Ehrenmale in Berlin“ und natürlich eine Führung mit Cliewe Stadtführungen zu empfehlen.


*Oben im Bild: das Sowjetische Ehrenmal im Treptower Park

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Das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten an der Straße des 17. Juni
Das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten

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