Berlin im Kalten Krieg

Die Nachkriegszeit und der Kalte Krieg haben Berlin geprägt. Die Berliner Mauer hat die Stadt geteilt und den Menschen auf der östlichen Seite die Freiheit genommen. In Ost-Berlin geboren und aufgewachsen, wurde ich nach Fluchtversuch und Inhaftierung von der Bundesrepublik freigekauft. Dadurch konnte ich in West-Berlin studieren und in West-Berlin den Mauerfall miterleben. Ich habe die Stadt von beiden Seiten der Mauer kennengelernt und bin glücklich, Ihnen heute meine wiedervereinte Heimatstadt zeigen zu können.



"Als die Berliner Mauer noch kein Denkmal war" - Entlang des ehemaligen Todesstreifens an der Bernauer Straße

Ich zeige Ihnen, wo die Mauer stand, wie sie gebaut und immer wieder verändert wurde und wie Sie Mauerspuren erkennen können. Sie erfahren von Fluchtversuchen und Maueropfern, vom Leben in der geteilten Stadt und natürlich auch von meinem eigenen Fluchtversuch. In der Kapelle der Versöhnung wird den Maueropfern gedacht. Original Reste der Berliner Mauer und des Grenzsystems sind an der Gedenkstätte Berliner Mauer zu sehen.



Machtzentralen der DDR

Die Machtzentralen der DDR lagen im Zentrum Berlins. Als eines der wenigen Gebäude hatte das Reichsluftfahrtministerium den Zweiten Weltkrieg fast unbeschadet überstanden. Hier gründete sich die DDR und hier wurden zunächst die meisten Ministerien untergebracht. Mit dem Umbau des Ost-Berliner Zentrums zu einer sozialistischen Stadt entstanden neue Machtzentralen und symbolträchtige Gebäude: vom Fernsehturm, bis zu Plattenbauten, dem Staatsratsgebäude, dem Palasthotel und dem DDR-Außenministerium. Die Reichsbank wurde zur SED-Parteizentrale, das Berliner Stadtschloss musste dem Palast der Republik und die Kriegstrümmer rund um die Marienkirche dem Marx-Engels-Forum weichen.



Mit der M10 von Mauer zu Mauer

Diese Führung orientiert sich am Linienverlauf der Tramlinie M10, die vom S-Bahnhof Nordbahnhof in Mitte quer durch Prenzlauer Berg nach Friedrichshain fährt. Auf dieser Route kommen wir entlang der Gedenkstätte Berliner Mauer, können in den Helmholtz- und Kollwitzkiez hineinschnuppern und das Thälmann-Denkmal, die letzte noch erhaltene Monumentalskulptur aus DDR-Zeiten bewundern. Am Arnswalder Platz können wir uns den riesigen Stierbrunnen anschauen. An der Paul-Heyse-Straße zeige ich Ihnen, wie das Friesen-Stadion, in dem Weltfestspiele stattfanden, inzwischen im Volkspark Friedrichshain verschwunden ist. Vorbei am Frankfurter Tor schauen wir uns die Architektur der ehemaligen „Stalinallee“ an. An dieser Straße begann der Aufstand des 17. Juni 1953. Die LInie M10 endet in der Nähe von East-Side-Gallery und Oberbaumbrücke.



Von der verhinderten Weltausstellung zum Sowjetischen Ehrenmal

Es gibt drei Sowjetische Ehrenmale in Berlin. Die monumentalste Anlage befindet sich im Treptower Park. Triumphbögen, Marmorsarkophage und die 12 Meter hohe Statue eines Soldaten mit einem Kind auf dem Arm auf einem symbolischen Grabhügel beeindrucken. Über 5.000 gefallene sowjetische Soldaten sind hier beigesetzt.

Der Treptower Park birgt noch mehr Überraschungen: Er war Ausgangspunkt einer spektakulären Flucht in einem Ultraleichtflugzeug nach West-Berlin. Von der Nutzung des Geländes als Berliner Gewerbeausstellung zeugt nur noch die Archenhold Sternwarte.



Ich, der Knast und die Rummelsburger Bucht

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Rummelsburg keine 100 Einwohner - heute sind hier mehr als 2.000 Wohnungen entstanden. Palmkernölspeicher, Eiswerke, Schrotkugelturm, Knabenhäuser, Medaillonplatz, preußisches Arbeitshaus und Haftanstalt zeugen von einer wechselvollen Geschichte Rummelsburgs. Das preußische Arbeitshaus wurde zunächst für Marginalisierte, Ausgegrenzte und seit 1951 von der DDR als Haftanstalt genutzt. Nach mehreren erfolglosen Fluchtversuchen, verbrachte ich im Sommer/Herbst 1984 mehrere Monate im Haus I der Untersuchungshaftanstalt Rummelsburg. Mit fünf anderen Gefangenen musste ich mir eine winzige Zelle teilen. Die einstigen Zellen wurden 2007 zu Wohnungen umgebaut.



Stasimuseum & Stasigefängnis

Das Ministerium für Staatssicherheit war eines der mächtigsten der DDR. Das MfS oder die Stasi sah sich als „Schild und Schwert der Partei“ und sicherte die Macht der SED. Durch Bespitzelung, Überwachung, Zersetzung, Verfolgung versuchte die Stasi politische Gegner mundtot zu machen und die Bürgerinnen und Bürger einzuschüchtern. Ganze Stadtteile wurden durch die Stasi für ihre Zwecke vereinnahmt. In der ehemaligen Stasizentrale zwischen Normannenstraße, Magdalenenstraße und Ruschestraße gibt es dazu ein Museum zu besichtigen.

In Hohenschönhausen befand sich das zentrale Gefängnis der Staatssicherheit, das heute eine Gedenkstätte ist. Das Gefängnis war von einem militärischen Sperrbezirk umgeben, der auf keinem Stadtplan verzeichnet war.



Stalinallee

Zu Ehren von Josef Stalin wurde die Frankfurter Allee in Berlin ausgebaut zu einer Prachtstraße. Noch heute beeindrucken die im so genannten Zuckerbäckerstil errichteten Gebäude an der „ersten sozialistischen Straße“ in Deutschland. Hier stand ein überlebensgroßes Denkmal Stalins, das Kino Kosmos, das Café Moskau und die Mokka-Milch-Eisbar. Die NVA marschierte regelmäßig auf der breiten Straße zum Jahrestag der DDR. Dass hier an manchen Stellen in aller Eile gebaut wurde, davon zeugt nicht nur die bereits 1971 abgerissene Deutsche Sporthalle, sondern auch bröckelnde Fliesen auf der Rückseite der monumentalen Bauten. Dennoch ist die inzwischen nach Karl-Marx benannte Straße ein beeindruckender architektonischer Höhepunkt.

Reste der Berliner Mauer

Kränze zum Gedenken an die Opfer der Deutschen Teilung am 50. Jahrestag des Mauerbaus
Kränze für die Opfer der Berliner Mauer

Mauerrest an der Niederkirchner Straße (im Hintergrund der Martin-Gropius-Bau)
Berlijnse Muur aan de Niederkirchner Strasse

Mauerreste auf dem Invalidenfriedhof


Wachturm Erna-Berger Straße